Role Model Linie 6: Transzendente Motivation im Human Design
Es gibt eine besondere Art von Menschen, die das Leben von oben beobachten, bevor sie es betreten. Der sich vom Lärm des Wollens, Bangens, Hoffens und Bedürfens zurückzieht und ruhig beobachtet, was Motivation tatsächlich mit den Menschen macht. Im Human Design trägt dieser Mensch die Vorbildlinie 6 auf der Persönlichkeitsseite – eine Konfiguration, die die gesamte Frage, was uns antreibt, neu formuliert.
Die sechs Motivationen der Variablen
Die Variable ist der Teil des Human Design-Diagramms, der zeigt, wie ein Wesen kognitiv und motivierend verdrahtet ist. Es zeigt einen Pfeil in eine von zwei Richtungen – nach links oder nach rechts – und aus der Interaktion dieser Pfeile ergeben sich sechs Kernmotivationen. Jeder Mensch auf dem Planeten verbraucht als Hauptbrennstoff einen dieser Brennstoffe:
- Angst – „Wenn ich das tue, könnte etwas Schlimmes passieren.“ Auf Gefahr achtend, beschützend, vorsichtig.
- Hoffnung – „Wenn ich das tue, könnte etwas Gutes passieren.“ Vorausschauend, optimistisch, geduldig.
- Verlangen – „Ich will das.“ Selbstbezogen, hingezogen zu dem, was sich gut anfühlt, auf der Suche nach Sensationen.
- Bedürfnis – „Ich brauche das, um mich gut zu fühlen.“ Außenabhängig, erfordert Präsenz, Bestätigung oder Stimulation.
- Schuldgefühle – „Ich sollte das tun oder nicht.“ Verpflichtungsorientiert, im Gedächtnis behaltend, rechenschaftspflichtig.
- Unschuld – „Ich weiß es nicht, ich weiß es einfach.“ Unbeschwert, unberührt, einfach handelnd.
Dabei handelt es sich nicht um Charakterfehler oder Tugenden. Sie sind mechanisch. Sie sind die Motoren im Keller. Die meisten Menschen entscheiden sich nicht für den Motor, den sie haben – er wird bei der Geburt eingebaut. Die Arbeit von Human Design besteht nicht darin, den Motor zu verändern, sondern nicht mehr darum zu kämpfen, wie er läuft.
Die Rolle: Wie wir uns selbst sehen
Über den sechs Motivationen steht die Rolle. Die Rolle ist der Pfeil oben rechts der Variablen und stellt die Sichtweise der Persönlichkeit dar – das Selbstbild, die Art und Weise, wie wir uns instinktiv identifizieren. Es ist der Teil von uns, der sagt: „Ich bin ein Heiler“, „Ich bin ein Denker“ oder „Ich bin ein Rebell“, lange bevor die Welt in dieser Angelegenheit etwas zu sagen hat.
Die Rolle besteht aus sechs Linien, von denen jede ihre eigene Art der Selbstidentifikation hat. Linie 1 ist grundlegend – ruhig, detektivisch, von Grund auf aufgebaut. Linie 6 ist die letzte und umfangreichste – die Role Model-Linie.
Die drei Phasen von Linie 6
Linie 6 durchläuft in jeder Position – ob Rolle oder nicht – drei verschiedene Lebensphasen. Das ist die strukturelle Genialität der Linie:
Phase Eins (ungefähr Geburt bis Ende der Zwanziger): Das Dach. Der Mensch sitzt auf dem Dach des Lebens und beobachtet alles von oben. Sie fühlen sich ein wenig außerhalb der Welt und sehen zu, wie die Welt brennt und erblüht, ohne dass von ihnen erwartet wird, dass sie daran teilnehmen. Dabei handelt es sich nicht um einen Fehlstart, sondern um einen absichtlichen mechanischen Rückzug.
Phase Zwei (Ende der Zwanziger bis Anfang der Fünfziger): The Descent. Die Person steigt vom Dach herunter und beginnt mit der chaotischen Aufgabe, ein Mensch zu sein. Hier finden die eigentlichen Experimente statt. Fehler, Lieben, Verluste, all die gewöhnlichen Prüfungen. Die sechste Linie verdient hier ihre Weisheit.
Phase Drei (ab Anfang der fünfziger Jahre): Das Vorbild. Der Mensch ist nicht mehr Beobachter und verliert sich nicht mehr im Experiment. Sie haben es durchgemacht. Sie haben sich das Recht verdient, für etwas einzustehen. Jetzt wird ihr Leben zum Vorbild für andere.
Rollenlinie 6: Motivation als Spiegel
Wenn eine Person Linie 6 in der Rolle trägt, wird ihr Selbstbild durch diese dreiphasige Reise geprägt. Sie sind nicht hier, um eine feste Identität darzustellen. Sie sind hier, um in Echtzeit vor anderen Menschen zu etwas zu werden.
Hier erhalten die sechs Motivationen eine andere Würze. Eine Rollenlinie 6


